Alpines Museum der Schweiz

Heimat

Auf Spurensuche in Mitholz
Bis 11. August 2024

Das Schicksal des Berner Oberländer Dorfes Mitholz bewegt die Schweiz. Ein Grossteil der Mitholzer:innen muss das Dorf wegen der Räumung eines ehemaligen Munitionsdepots voraussichtlich für zehn Jahre verlassen. Rund 3500 Tonnen Munition und Sprengstoff der Schweizer Armee lagern im Berg hinter dem Dorf.

Ein Stück Schweizer Geschichte
Das ALPS hat gemeinsam mit Mitholzer:innen eine Ausstellung konzipiert, in der die Menschen und die bewegte Geschichte des Dorfes Raum erhalten. Es geht um persönliche Schicksale, Verantwortung und Versäumnisse. «Heimat» nimmt ein Stück Schweizer Geschichte in den Blick − nah am tagespolitischen Geschehen. Die Ausstellung eröffnet Zugänge über informative, sinnliche und installative Elemente. So führt sie etwa in das mit allen Sinnen erlebbare «Archiv Mitholz» oder in die begehbare Musikinstallation «Läb wohl Mitholz».

Bedrohte Bergdörfer
Viele Fragen, die sich in Mitholz stellen, betreffen auch andere alpine Räume. «Heimat» gibt Anlass, über die Zukunft von Schweizer Bergdörfern nachzudenken. 

Zum Reinhören:

Der Abschiedschor

Gruppen

Selbstständiger Ausstellungsbesuch

Was geht uns das an?
Führung

«Chäs u Brot»
Kulinarisches Angebot zur Ausstellung

Kinder

Kinderrundgang
mit Hörspiel

«Mitholz. Über Heimat nachdenken»
Was machen Häuser mit Menschen? Warum glaubt ein Land an Berge? Und woran erinnern wir uns überhaupt? Das begleitende Magazin greift die Themen der Ausstellung auf und vertieft sie.

Die Publikation können sie vor Ort im Museumshop kaufen oder hier bestellen: shop@alps.museum

Die Chronologie nennt die wichtigsten Ereignisse von der Explosionsnacht 1947 bis heute:

2040 (geplant) • Die betroffene Zone des Dorfs wird wieder bewohnt.

2030 (geplant) • Beginn der Räumungsarbeiten

2025/26 (geplant) • Die betroffene Bevölkerung verlässt Mitholz. Die Schutzbauten für Strasse und Bahn werden errichtet.

Ende 2025: Die betroffene Bevölkerung verlässt Mitholz. Die Schutzbauten für Strasse und Bahn werden errichtet.

Juni 2024: Für den Einbau der Steinschlagschutzmassnahmen im Bahnstollen müssen ab dem 24. Juni 2024 elf Personen in fünf bewohnten Liegenschaften ihre Häusertemporär verlassen. Sie dürfen während max. 12 Wochen bis Mitte
September 2024 unter der Woche nachts nicht in ihren Häusern sein.

Was bedeutet dies genau bedeutet und was in der bewegten Zeit seit Ausstellungsbeginnn alles passiert ist, erzählt Dory Schmid, Mitglied der Projektgruppe, hier:

Dory Schmid im Gespräch

19. September 2023: Der Ständerat stimmt der Finanzierung der Räumung des ehemaligen Munitionslagers Mitholz zu. Dies bedeutet grünes Licht für die umfassende und sichere Räumung.

16. Mai 2023: Die IG Mitholz und die Gemeinde Kandergrund bitten die Sicherheitspolitische Kommission des Ständerats um Anhörung, damit nicht nur technische und finanzielle Aspekte in die Debatte einfliessen.

4. Mai 2023: Der Nationalrat hat die Botschaft zur Räumung des ehemaligen Munitionslagers Mitholz beraten und dem Verpflichtungskredit in Höhe von 2,59 Mrd Franken mit 180 zu 5 Stimmen bei 8 Enthaltungen zugestimmt. Das Geschäft wird in der Herbstsession vom Ständerat bearbeitet.

10. März 2024: Wegen des Kommissionsentscheids stoppt das VBS die Hauskäufe in Mitholz. Für die betroffenen Menschen ist die erneute Unsicherheit belastend.

28. Februar 2023: Die Gemeinde Kandergrund und die IG Mitholz stellen bei der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats den Antrag um Anhörung.

21. Februar 2023: Die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrates hat mit knapper Minderheit die Beratung des Geschäfts «Räumung ehemaliges Munitionslager Mitholz» für maximal ein Jahr sistiert. Es ergeht der Auftrag an das VBS, eine unabhängige, vertiefte Studie in Auftrag zu geben. Diese Studie soll die Varianten Verfüllung, Verkapselung und Abdichtung bis ins Detail prüfen.

19. Dezember 2022: Das Explosionsereignis in Mitholz jährt sich zum 75. Mal. Am Abend findet in Mitholz die Gedenkfeier statt. Neun Kerzen für die Verstorbenen erhellen den Gedenkbrunnen. Der Chor, der für die Ausstellung «Heimat» gebildet wurde, singt in der ehemaligen Turnhalle in Mitholz das Lied «Läb wohl Mitholz».

22. August 2022: Die Kostenprognose für die Räumung liegt vor. Dem Parlament wir ein Verpflichtungskredit von voraussichtlich rund 2,5 Milliarden Franken zur Genehmigung unterbreitet werden. Nach der Konkretisierung der Teilprojekte schätzen die Projektverantwortlichen die Kosten für die Räumung aktuell auf rund 1,5 Milliarden Franken; hinzu kommen Beiträge für Risiken

9. März 2022: Die vertiefte Planung ergibt eine kleinere Gefahrenzone. Definitiv wegziehen müssen noch 51 Personen, 87 weiteren wird der Wegzug freigestellt.

25. Februar 2020: Das VBS und der Kanton Bern informieren die Bevölkerung: Nach einer zehnjährigen Planungs- und Vorbereitungsphase soll das Dorf Mitholz während der Munitionsräumung für zehn Jahre evakuiert werden. Diese Massnahme betrifft rund 180 Personen.

28. Juni 2018: Mitholzer:innen werden über das weitere Vorgehen informiert. Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS, ehemals Militärdepartement) informiert über neue Erkenntnisse aus der Planung des Rechenzentrums. Demnach ist das Explosionsrisiko grösser als angenommen, der verschüttete Bahntunnel und das Gelände vor der Fluh sollen geräumt werden. Die Anlage wird umgehend stillgelegt, für die Anwohner sind aber keine Sofortmassnahmen vorgesehen. Eine Arbeitsgruppe klärt ab, wie das Risiko für Bevölkerung und Umwelt vermindert werden kann.

23. Januar 2012: Laut einem Expertenbericht, erstellt im Auftrag der Armasuisse (ehemals Gruppe für Rüstungsdienste), enthält die verschüttete Munition rund 320 Tonnen reinen Sprengstoff, der explodieren könnte.

Ab 2010: Die Armeeapotheke nutzt Mitholz nur noch als Lager und soll für ein geschütztes Rechenzentrum umgenutzt werden.

12. September 1973: Der Bundesrat beschliesst, die Anlage für einen geheimen pharmazeutischen Fabrikationsbetrieb der Armeeapotheke zu nutzen.

2. Juni 1950 Wiederaufbau der Stollen: Der Generalstabschef der Armee ordnet den Wiederaufbau der Anlage an – nicht mehr als Munitionsdepot, sondern als Lager für ungefährlicheres Militärmaterial. 

29. März 1950: Im vorgelegten Schlussbericht zur Katastrophe in Mitholz kann die Ursache der Explosion nicht abschliessend geklärt werden.

19. Dezember 1947 Explosions-Katastrophe: Zwei nächtliche Explosionen im Munitionslager erschüttern Mitholz. Eine dritte lässt den vorderen Teil der Fluh einstürzen, wo sich der Bahntunnel befindet. Der Trümmerhagel verwüstet grosse Teile des Dorfs, neun Menschen sterben.

1. Oktober 1940 • Die Planung eines unterirdischen Munitionslagers in Mitholz im Kandertal (Berner Oberland) wird in Auftrag gegeben.

Sommer 1940: Die Schweizer Armee beschliesst, den grössten Teil der Truppen ins Réduit in den Alpen zurückzuziehen. Dort fehlen meist noch Verteidigungsstellungen und Versorgungslager.

1. September 1939: Beginn des Zweiten Weltkriegs

Medienecho

«Mitholz – Spurensuche in Szenen»
Appenzeller Zeitung

«Leb wohl, Mitholz»
Die Alpen

«Mitholz, che cosa significa dover lasciare la propria casa»
Corriere del Ticino

«Läb wohl Mitholz»
Berner Kulturagenda

Publikumsstimmen

«Heimat erkennt man oft erst, wenn man sie verliert oder zu verlieren droht.»

Gabriela, Ausstellungsbesucherin

«Als Nachbar von Mitholz denke ich viel an die Bewohner und Bewohnerinnen, die ihr geliebtes Zuhause verlassen müssen.»

Peter, Ausstellungsbesucher

«Wir müssen dringend diskutieren, welche Zukunft wir wollen»

Karin, Ausstellungsbesucherin

«Wie standen die Mitholzer der 30er Jahre dem Bau des Munitionslagers gegenüber? Widerstand? Kollaboration? Gleichgültig?»

Marie, Ausstellungsbesucherin

«Every Mitholz matters!»

Eliza, Ausstellungsbesucherin

«Treffen wir auch heute Entscheide, die schon bald explodieren?»

Jürg, Ausstellungsbesucher