Einmal pro Jahr initiiert das ALPS im Turnus an verschiedenen Austragungsorten eine «Netzwerktagung». Sie fördert den laufenden Austausch zu Inhalten, Ideen und aktuellen Projekten mit Bergbezug. Gemeinsam erkunden die Teilnehmenden das Verhältnis zwischen Menschen und Bergen in seinen verschiedenen Facetten.
Die diesjährige Tagung findet am Mittwoch, 2. Juli, in Altdorf statt und wird in Zusammenarbeit mit dem Urner Institut Kulturen der Alpen organisiert. Sie steht unter dem Motto «Klang/Sounds/Geräusch – Wie tönt der Berg?». Von musikalischen Traditionen über akustische Herausforderungen wie Verkehrslärm bis hin zu innovativen Konzepten in Kunst und Wissenschaft – wir möchten gemeinsam die unterschiedlichsten Facetten des Themas erforschen und einen einmaligen, schweizweiten Raum für Austausch bieten.
«tschlfikk» Klingende Kulturgeschichte im Schanfigg
Zwischen 2024 und 2026 entsteht im Schanfigg ein begehbares Klangarchiv: In rund 15 Dörfern machen ortsspezifische Klanginstallationen Aspekte der lokalen Kulturgeschichte hör- und erfahrbar – vom Jukebox-Après-Ski bei den Sportbahnen Hochwang über ein Posthorn von 1831 in Peist bis zu Klängen aus Handwerk, Sprache und Populärkultur. Carla Gabrí stellt Konzept und Entwicklung des Projekts vor, das im Dialog mit der Bevölkerung entstand und Teil einer kulturtouristischen Strategie ist. Sie skizziert zudem, wie sinnliche Vermittlungsformen neue Perspektiven für alpine Räume eröffnen können.
Foto: Tomm Gadient
musica in cumün
Tschlin im Unterengadin hat eine reiche und lebendige Musiktradition. Nun soll das Dorf mithilfe des Vereins «musica in cumün» gezielt als Musikdorf weiterentwickelt werden. Mit Konzerten, Kursen und Veranstaltungen an verschiedenen Orten im Dorf und in der grenzüberschreitenden Region wird musikalisches Leben hör- und erlebbar gemacht. Stefan Forster (ZHAW Wergenstein), einer der Initiatoren und Vorstandsmitglieder des Vereins, stellt das Projekt vor, das kulturelles Erbe mit nachhaltiger Dorfentwicklung und kulturnahem Tourismus verbindet.
Sons alpins contemporains
Les montagnes résonnent, changent et racontent. Dans sa keynote, Nelly Valsangiacomo explore comment le son devient un outil pour comprendre les transformations écologiques, sociales et culturelles des territoires alpins – entre recherche, mémoire et pratiques sensibles.
Photo: Philip Schmid, Médiathèque du Valais Martigny
Das Roothuus Gonten als Klangverstärker
Das Roothuus Gonten sammelt, erforscht und vermittelt das reiche volksmusikalische Erbe des Appenzellerlands und des Toggenburgs. Es bewahrt Noten, Instrumente und Tonaufnahmen, betreibt historische und feldforschende Studien und macht Klangtraditionen wie das Alpfahren oder den Alten Silvester für heutige Bedürfnisse lebendig. Dr. Marc-Antoine Camp, Musikwissenschaftler, Musikethnologe und Stiftungsrat, stellt das Roothuus Gonten als klangvollen Gegenentwurf zu stummen Postkartenklischees vor.
Foto: Roothuus Gonten
Un nouvel écho dans les Alpes
Dans sa présentation, Philippe Vonnard explore deux cas d’opposition à l’usage de l’hélicoptère de loisir dans les Alpes (Chamonix et Verbier). Il s’intéresse particulièrement à la manière dont ces engins ont transformé l’environnement sonore alpin – par la violence des bruits de rotor amplifiés par l’écho – et comment ces sons ont suscité résistance et débats dès les années 1960. Une plongée dans les conflits entre silence montagnard et bruit technologique.
Volksmusik als Klang der Berge?
Im Forschungsprojekt «Claiming Folklore» untersucht Patricia Jäggi, wie Volksmusik in den Fernsehsendungen der SRG von den 1960er bis 1990er Jahren medial inszeniert wurde. Im Zentrum steht die «Alpinisierung» von Klang und Bild: Durch gezielte Ton-Bild-Montagen wurden alpine Landschaften und Lebensweisen mit traditionellen Klängen verknüpft – eine ästhetische Strategie mit gesellschafts- und identitätspolitischer Wirkung.