Alpines Museum der Schweiz

Netzwerktagung

Einmal pro Jahr initiiert das ALPS im Turnus an verschiedenen Austragungsorten eine «Netzwerktagung». Sie fördert den laufenden Austausch zu Inhalten, Ideen und aktuellen Projekten mit Bergbezug. Gemeinsam erkunden die Teilnehmenden das Verhältnis zwischen Menschen und Bergen in seinen verschiedenen Facetten.

Die diesjährige Tagung findet am Montag, 1. Juni 2026, im ALPS, statt und wird in Zusammenarbeit mit der Mountain Research Initiative (MRI) organisiert. Sie steht unter dem Motto «Gefährlich schön, schön gefährlich? Vom Umgang mit Risiko, Verantwortung und Wandel in den Bergen». Die Bergwelt mit ihren alpinen Lebens- und Nutzungsräumen verändert sich derzeit tiefgreifend durch Naturgefahren und Klimawandel. Im Fokus der Tagung: Wie können Kultur, Wissenschaft, Kunst und Museen diese Veränderungen vermitteln? Wie sprechen wir über Risiken jenseits von Katastrophennarrativen? Gemeinsam erforschen wir diese Fragen und viele mehr in einem einmaligen, schweizweiten Austauschformat.

Tunnel vor einem türkisfarbenen See. Ein Steinbock steht entlang der Tunnelmauer.

Programm Netzwerktreffen
«Gefährlich schön, schön gefährlich?»

Projekte

Blühende Randschaften. Naturgefahren erzählen

Selma Mahlknechts Buchprojekt «Blühende Randschaften» nimmt sich wandelnde alpine Ökosysteme zum Ausgangspunkt und fragt, wie Berggebiete mit Naturgefahren und zunehmenden Risiken umgehen.  Anhand von Beispielen aus dem Engadin, Stilfs oder Blatten wird aufgezeigt, wie sich daraus gesellschaftliche, kulturelle und narrative Dimensionen entfalten. Historische Bildbestände aus dem Kulturarchiv Ober engadin ergänzen die Perspektive und machen sichtbar, wie sich der  Umgang mit Natur über die Zeit verändert hat und welche Strategien der Resilienz daraus hervorgehen.

Foto: Elizabeth Main

Audio-Walk – Solastalgia

Das Projekt «Solastalgia» von Kathrin Yvonne Bigler und Christine Hasler verbindet künstlerische Praxis mit Fragen des (Klima-)Wandels. Ausgehend vom gleichnamigen Begriff – dem Schmerz über Umweltveränderungen am vertrauten Ort – lädt die Arbeit zu einer sinnlichen Auseinandersetzung mit Verlust, Zeit und Landschaft ein. Nach einer kurzen Einführung von Brigitte Portner vom Centre for Development and Environment der Universität Bern begeben sich die Teilnehmenden individuell mit Audiosequenzen ins Freie. Die gemeinsame Reflexion im Anschluss eröffnet Raum für Gedanken, Wünsche und Perspektiven.

Foto: Sam Brooks

Composer avec la montagne. Une photo-ethnographie en milieu alpin

Dans les Alpes du Nord, le changement climatique et la perte de la diversité biologique transforment en profondeur les manières d’habiter la montagne. Face à des récits souvent polarisés, cette contribution de Claire Galloni d’Istria de l’Université de Genève propose une approche anthropologique multimodale mêlant photographie, exposition et son. La photographie devient un outil d’analyse et d’écriture, éclairant l’ordinaire de l’instabilité et ouvrant de nouvelles pistes pour raconter les transformations alpines.

Visuell : Claire Galloni d’Istria

Sous les pierres

L’intervention de Coline Ladetto présente « Sous les pierres » en deux temps : le projet initial, une œuvre sonore en patois valaisans, puis sa transformation après l’éboulement de Blatten en 2025. Devenue muette, l’œuvre intègre la catastrophe comme rupture centrale. Cette mise en miroir donne à voir un processus de création interrompu et interroge responsabilité artistique, disparition des langues et fragilité des mondes alpins.

Tamlar 2.0

Das Rollenspiel «Tamlar 2.0» lädt dazu ein, Klimaanpassung in Bergregionen kollaborativ zu verhandeln. In der fiktiven Tamlar-Bergregion übernehmen Teilnehmende unterschiedliche Rollen und entwickeln in interaktiven Workshops gemeinsam Lösungen zwischen konkurrieren den Interessen. Das Format macht komplexe Governance-Prozesse erfahrbar und fördert einen reflektierten Umgang mit Risiko, Klimawandel und Kooperation in den Bergen. Visuell gestaltet und praxisnah eröffnet «Tamlar 2.0» neue Zugänge zur Auseinandersetzung mit Klimawandelanpassung.

Foto: Karma Cheki

Von Steinmauern zu Hightech

Die Sonderausstellung «Von Steinmauern zu Hightech – Lawinenschutz in Pontresina» rückt den Umgang mit Naturgewalten im alpinen Raum ins Zentrum. Am Beispiel des Schafbergs, eines «Freilichtmuseums» der Schutzbauten, werden historische und aktuelle Formen von Verbauungen und eingesetzter Technologien vermittelt – dies im Kontext der (touristisch bedingten) Dorfentwicklung. Bildmaterial, originale Bauteile, Simulationen und Interviews eröffnen vielfältige Zugänge. Stefanie Stegemann stellt das Projekt, sowie eine geplante Erweiterung der Ausstellung zum Thema Permafrost und Naturgefahren vor.

WebApp Extremes 

Wie wird das Klima der Schweiz in der Zukunft aussehen? Was bedeutet das für Berggebiete, Schutzwälder und die Energieversorgung? Die interaktive WebApp der WSL macht die Auswirkungen zukünftiger Extremwetterereignisse in der Schweiz anschaulich erfahrbar. Nutzer:innen erkunden mittels Szenarien-Regler mögliche Entwicklungen von Hitze, Trockenheit oder Starkniederschlägen und deren Folgen für Mensch und Umwelt. Durch Storytelling und spielerische Elemente vermittelt die Anwendung wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich, ohne zu dramatisieren, und eröffnet zugleich konkrete Perspektiven auf Zusammenhänge, Risiken und Handlungsoptionen im Klimawandel.

Themenpfad «Das Wetter und Wir»

Der Themenpfad in Guttannen stellt die Frage ins Zentrum, was es bedeutet, mit zunehmenden Wetterextremen und den Folgen des Klimawandels zu leben. Entstanden aus dem Bedürfnis, diese Veränderungen sichtbar und verständlich zu machen, verbindet das Projekt lokale Erfahrungen mit einer zugänglichen Form der Vermittlung. Die Initiant:innen Erika Schläppi und Daniel Bürki geben Einblick in die Entstehung und in die Weiterentwicklung des Projekts, erzählen von Reaktionen und reflektieren, was sich bewährt hat und was sie anders machen würden.

Web-Plattform BergAb

Die Web-Plattform «BergAb» vermittelt anschaulich die Auswirkungen des Klimawandels auf alpine Massenbewegungen. Die Plattform wurde im Rahmen des WSL-Forschungsprogramms CCAMM in Zusammenarbeit mit der Fachgruppe «Knowledge Visualization» der Zürcher Hochschule der Künste entwickelt. Über eine interaktive Gebirgslandschaft erkunden Nutzer:innen Prozesse wie Lawinen, Steinschlag oder Murgänge sowie zugrunde liegende Klimadynamiken. Wissenschaftlich fundiert und visuell zugänglich richtet sich «BergAb» besonders an ein breites Publikum und junge Zielgruppen und eröffnet neue Wege der Wissensvermittlung zu Naturgefahren im digitalen Raum.